Ve Aleykümselâm Mr. Obama...

"I am proud to carry with me the goodwill of the American people, and a greeting of peace from Muslim communities in my country:  assalaamu alaykum !"

So begann die wohlmöglich historische Rede von Barack Hussein Obama in der Al-Azhar Universität in Kairo am Donnerstag, den 04. Juni 2009.
Unter großem Applaus zieht er eine kurze Zusammenfassung über die Beziehungen der Muslime mit den Vereinigten Staaten in den vergangnen Jahren und gesteht Fehler ein, die der "Westen" gegenüber dem Islam gemacht hatte.

Nach dieser kurzen Einleitung, die ich als eine Entschuldigung an die islamische Welt auffasse, betont er, dass der Grund seines Besuches darauf beruht, einen Neuanfang der Beziehungen zwischen den Muslimen und Amerika einzuleiten. Mit Zitaten aus dem Koran unterstreicht er wichtige Argumente, z.B. wenn es darum geht, die Wahrheit auszusprechen.
 

"As the Holy Quran tells us: "Be conscious of God and speak always the truth." That is what I will try to do [...] "
Also kann ich das so verstehen, dass alle anderen US-Präsidenten bisher gelogen haben, und Sie, Herr HÜSEYIN Obama, suchend nach universellen Vorschriften in den heiligen Schriften, dies ändern werden. Zudem bedient er sich an einem so mächtigen stilistischen Mittel, so dass seine folgenden Argumente und Ansichten authentisch wirken.
Ich bin gespannt, welche Wahrheiten an diesem historischen Tag ans Tageslicht gelangen werden;
 
"I am a Christian, but my father came from a Kenyan family that includes generations of Muslims. As a boy, I spent several years in Indonesia and heard the call of the azaan at the break of dawn and the fall of dusk."
So, so. Sie sind Christ, aber da sie in der Kindheit den Ruf des Muezzins gehört haben, ist ein Stückchen Islam in Ihrem Inneren geblieben, der sie davon abhält und abhalten wird, das Falsche zu sagen?  Wie schön, wenn Sie das dem Muezzinruf zu verdanken haben. Dann geht es heiter weiter mit Lobpreisungen über muslimische Erfindungen in der Geschichte, und der Tatsache dass mehrere Millionen Muslime in den USA leben.

Ich merke, welche Gefühle in mir angesprochen werden: Stolz und Selbstbewusstsein. Schließlich bin ich selbst Moslem. Trotzdem habe ich den Gedanken, dass der Islam von Vielen noch falsch verstanden wird. Ich höre weiter.
 

"And I consider it part of my responsibility as president of the United States to fight against negative stereotypes of Islam wherever they appear."
Wow. Ich glaube, dieser Mann kann Gedanken lesen. Das geht anscheinend vielen Zuhörern so, da sie kräftig applaudieren. Jetzt hat der Islam sogar einen nichtmuslimischen US-Präsidenten an der Seite, der versuchen wird, Vorurteile aus der Welt zu schaffen. Wie soll das denn bitteschön gehen? Will Obama den Islam von Grund auf erlernen und bei offiziellen Ansprachen Islam-Vorlesungen an die Öffentlichkeit abhalten?
Ich denke nicht, dass Sie die Verantwortung dafür tragen, die Vorurteile zu eliminieren, vielmehr sollten es die Muslime selbst sein, die durch ihr Verhalten, durch ihre Lebensweise ein Vorbild für die gesamte Menschheit werden sollten, damit diese Klischees verschwinden.
Wenn Muslime nicht den Islam "leben" werden Sie als Präsident keine Chance haben.
 
"In Ankara, I made clear that America is not and never will be at war with Islam"

Soll ich jetzt Entlastung fühlen? Vielleicht sind Sie mit dem Islam nicht verfeindet - im Inerren. Das kann ich nicht wissen. Sie allein machen aber noch keine Regierung aus, für dessen Absichten Sie sprechen können. Dieser Satz kommt bei mir so unathentisch an, wie bei den Zuhörern auch, weshalb auch nur wenige klatschen. Nach diesem Satz wird es mir so, als hätte ich ein Déja-vu.
 
"none of us should tolerate these extremists [...] The Holy Quran teaches that whoever kills an innocent, it is as if he has killed all mankind; and whoever saves a person, it is as if he has saved all mankind."
Ich habe noch nie Extremisten toleriert, toleriere es heute nicht und werde es in der Zukunft auch nicht tun. Schon wieder zitieren Sie den heiligen Koran und treffen die Sentimentalsaite in mir. Ich frage mich jedoch an dieser Stelle, wie oft Amerika die gesamte Menschheit in diesem Kontext schon getötet haht? Vielleicht war dies auch der Zuruf eines Zuhörers, was im Hintergrund leicht zu hören ist. Dass Extremisten, die Unschuldige oder sich selbst in die Luft jagen, mit dem Islam vereinbar sind, sind schon bekannte Rahmenbedingungen.
Die Frage ist, welche Strategie sollte befolgt werden, um Extremismus vorzubeugen oder wenigstens zu mindern? Rückschlag, Ausrottung oder Gerechtigkeit? Gerechtigkeit nicht nur für Amerikaner, sondern Gerechtigkeit für alle Menschen.

Diese Andersartigkeit eines US-Präsidenten, die sympathische Weise seiner Rede und das gekonnte Timing, um bestimmte Gefühle anzusprechen ist für mich etwas Neues. Wie ich denke, auch für sehr sehr viele Menschen auf dieser Welt.
Die Frage ist, wie handhabe ich so etwas? Ein blindes Vertrauen? Mißtrauigkeit? Abweisung von vornherein?

Wenn dieser Präsident Sympathie und Zusammengehörigkeitsgefühl bei den Muslimen untereinander stärken soll, dann begrüße ich das. Wer versichert mir, dass dies keine Strategie ist, um Sympathie bei den Muslimen zu wecken, damit politische Schritte Amerikas gebilligt werden.

Meine Gedanken und Gefühle sind nach der Rede so ineinander geschweift, dass ich kein Fazit ziehen kann. Wie schon oft bewiesen, ist die Zeit der beste Lehrer und Aufklärer und gerade deshalb werde ich abwarten und sehen, was die Zeit mir zeigen wird und wessen Masken wann fallen werden....

"The people of the world can live together in peace. We know that is God's vision. Now, that must be our work here on Earth. Thank you and may God's peace be upon you."
 
 
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AUTOR: Bilal Erkin

Bilal Erkin studiert Islamwissenschaften und Informationsverarbeitung an der Universität zu Köln und ist Mitgründer der TUGRA. Außerdem betreibt er ein Blog auf blog.bilalerkin.de

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