Mein Tagesablauf im Ramadan

Je nachdem, wie spät ich die Nacht davor eingeschlafen bin, umso schwer fällt es mir morgens zum sahur aufzustehen. Allâh gebe meinen Eltern viel Geduld, da sie mehrere Male den Weg in mein Zimmer aufsuchen, um mich zu wecken. Eigentlich sollte ich es mal schaffen, den Wecker selbständig zu stellen und sie mal zu wecken.

Wie dem auch sei, werfe ich mich langsam aus dem Bett und mir kommt der Pfad in die Küche wie mehrere Kilometer vor, und die Diele engt mich dermaßen ein, daß ich nicht gerade gehen kann. Schaffe ich nun am Tisch zu sitzen, streiken meine Augenklappen sich zu öffnen und mir wird schnell klar welche Schwierigkeiten Blinde aufnehmen müssen, um Gegenstände tastend zu finden.

Ich bin zwar kein Mediziner, um es zu erklären, aber mir kommt es so vor, dass wenn ich zu sahur etwas einnehme, ich im Laufe des Tages früher hungrig werde und sich mein Magen laut in den Vordergrund bringt, als wenn ich gar nichts in der Nacht esse. Vielleicht weitet sich ja der Magen aus und erwartet nach dem Aufstehen am morgen wieder etwas zu essen, weil es sich daran gewöhnt hat - ich weiss es nicht.

Jedenfalls, lese ich die Nachrichten, die ich mir mit Google Reader filtern lasse, und checke meine Mails ab. Ich fühle in der zweiten Woche keinen Drang mehr zu frühstücken, wie vor Ramazân-ı Şerîf. Ich habe nocch 2 Hausarbeiten zu erledigen, aber mir wird schnell langweilig. Ich bin lustlos, klicke mich durch unnötige Websites durch und beachte gar nicht deren Inhalt. Die lauten Bilder und Schlagzeilen bringen mich auf verschiedene Gedanken und verleiten mich zum Nachdenken. Vielleicht ist es nciht mal nachdenken sondern der Nacheffekt des Traumes, den ich bis vor kurzem während des Schlafes sah.

Schließlich schaffe ich es doch, meine Hausarbeit fortzusetzen, bis die Gebetszeit für das Mittagsgebet eintritt. Die Gebetszeiten sind wie ein Countdown für mich. 3 Gebetszeiten bis Iftar. Wenn das Mittagsgebet eintritt - nur noch 2... und immer so weiter, bis nur noch Stunden fehlen, dass die Muslime ihr Fasten brechen können. Die langen Konzentration, die meine Hausarbeiten erfordern sind der Grund dafür, warum ich bis Iftar immer an Wasser denke.

Ist die akademische Arbeit abgeschlossen, setze ich mich für meine Lektüre hin und lese in verschiedenen religiösen Büchern, um die sensible Denkweise im Ramadan in diese Richtung zu leiten. Sind die Texte anspruchsvoller und ich sehr müde, kommt es vor, dass ich ein Nachmittagsnickerchen mache, um neue Kraft zu schöpfen für den Rest des Tages.

Mein Fasten breche ich jeden Tag woanders. Meist zwar zu Hause, aber auch bei Freunden, Verwandten, Bekannten und Moscheegemeinden. Je nachdem, wo man eingeladen ist. Bevor man das Essen beginnt, glaubt das Auge alles aufessen zu können, aber als man anfängt wird der Magen schnell voll und man ist gezwungen sich zu zwingen, um das Essen runterzukriegen (eigentlich nicht empfohlen!).

Nach dem Fastenbrechen, unterhält man sich über Gott und die Welt, über alte Erinnerungen, Politik und andere Sachen, bis die Zeit für das Terâvih Gebet naht. Enweder geht man dann zur örtlichen Moschee, oder man betet bei den Gästen. Je nachdem, wie es vom Hausherr gewünscht wird.

Wenn ich zu Hause ankomme, fangen die eigentlichen Arbeitsstunden bei mir an. Ich setze mich an religiöse Texte und übersetze sie vom Türkischen ins Deutsche. Schnell ist es 2 Uhr nachts und ich denke mir, dass ich mindestens eine Stunde vor sahur schlafen sollte, damit ich mich zwingen kann, aufzustehen.

Ab diesem Moment an, könnt ihr wieder hochscrollen und wieder lesen , was am nächsten Tag passiert.

Dieser Blogeintrag wurde bildet Teil 2 von 4 für die Ramadan Wochenblogs, initiiert von Omar von TooMuchCookies, Ferit von MYUMMA und Kübra von ein fremdwoerterbuch.
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AUTOR: Bilal Erkin

Bilal Erkin studiert Islamwissenschaften und Informationsverarbeitung an der Universität zu Köln

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