Jäger und Sammler der modernen Welt

Die Jagd nach sensiblen Daten als Mittel zum Überleben

In seiner Rede „Information-Highways and the Global Village“ bezeichnet Joseph Weizenbaum das Internet als „eher so ein Misthaufen, ein Schrotthaufen wie man das in Bombay sehen kann“.

Ich stimme dieser Aussage vollkommen zu, da ich auch der Meinung bin, dass die meisten „Informationen“, die im Internet rumkursieren, Blödsinn, Werbung und Unnütz sind. Es wird schwer aus dieser Fülle von unnötigem Zeug das herauszufischen, das man auch wirklich braucht, oder das jemandem etwas nützt. Allein der Anteil der Spam-Mails die als E-Mail verschickt werden beträgt über 90 Prozent.

 

Nutzer des Internets werden heutzutage instrumentalisiert, um Geschäftsideen zu verwirklichen und damit Geld zu verdienen. Der Erfolg und die Macht von Google allein verursacht eine Gänsehaut, wenn wir die eigentliche Idee und die Zeit der Gründung mit heute vergleichen. Es wäre heute sehr einfältig zu behaupten, bis jetzt kein „Opfer“ von großen Unternehmen wie Google oder Microsoft gewesen zu sein. In diesem Sinne wäre ein Zitat von Joseph Weizenbaum adäquat;

Zitat:
„In einer Gesellschaft, deren Werte hauptsächlich vom Streben nach Reichtum und Macht abgeleitet sind, sind die Werte der Wissenschaft und Technologie dementsprechend gestaltet.“

IPs werden gespeichert, Surfverhalten werden protokolliert, Werbungen werden professionell platziert und auf den Nutzer entsprechend ausgesucht, virtuelle Profile jedes Nutzers werden vollautomatisch erstellt; all dies sind Tricks der Unternehmen, unter dem Vorwand „angepasster und personalisierter Informationsdarstellung“, um an noch mehr Geld zu kommen. Programme gibt es inzwischen gratis gegen Preisgabe persönlicher Daten, überteuerte Softwarelösungen lenken die Nutzer zu illegalem Herunterladen. Solche Folgewirkungen der „Datenspionage“ führen zu noch mehr Spionage und zum Entwurf neuer Gesetze, die Online-Durchsuchungen bald unausweichlich machen werden. In der Zukunft könnte man sogar meinen, dass die Unternehmen die Rolle von Gott einnehmen wollen, indem sie mehr und mehr versuchen, gleichzeitig, überall auf der Welt, bei jeder Person zu wissen, was er macht, wie er etwas macht und warum er diesen Akt vollbringt. Somit entsteht ein Prototyp des gläsernen Bürgers, bei dem keine privaten Informationen inoffiziell bleiben. Wollen wir dies? Brauchen wir die Freiheit selbst zu entscheiden und möchten wir eine geschützte Privatsphäre, die keinen interessiert? Diese Frage sollte sich jeder selbst stellen und nachdenken was man tun kann, um all diese Dystopien nicht zum Leben zu rufen.

Ich persönlich bin gegen jegliche Art von Vorratsdatenspeicherung, Abhörung von Telefonien und Online-Durchsuchungen. Ich bin der Meinung dass unsere Gesellschaft sich in ihren Strukturen ändern muss, um Straftaten zu verringern. Vor allem die Medien, insbesondere das Fernsehen und das Internet müssen nicht noch mehr spalten, nicht noch mehr die Situation anspannen als es ist. Die Gesellschaft und der Staat müssen die Angst des Terrors vergessen, um auch mit klarem Gedanken gegen ihn vorzugehen. Mit der Angst besteht die Gefahr groß, Fehler zu begehen. Dies ist nicht nur beim Terrorismus der Fall, sondern in all den anderen Bereichen des Lebens. Statt Angst zu haben, sollte man sich informieren. Informieren um die Angst zu überwältigen. Werden heutzutage wegen einem kleinen Bruchteil von kriminellen Religionsangehörigen die gesamte Religion kritisiert und Angst in der Bevölkerung erzeugt, so hängt dieses Phänomen mit der Informationslücke dieses Themas zusammen. Das Internet und auch das Fernsehen sollten mehr bildende Informationen publizieren und nicht das Gegenteil propagieren, um Regelungen wie die Vorratsdatenspeicherung zu legalisieren.

Auch die Erweiterung sozialer Netzwerke wie „Facebook“, ist nach einem bestimmten Punkt mehr vom Nachteil bestimmt als vom Vorteil. So mag zwar der Austausch gemeinsamer Interessen, Hobbies und Erlebnissen sinnvoll und sozial wirken, jedoch können durch zu sehr verflochtene Netzwerke Probleme auftauchen. Aus meiner eigenen Erfahrung kenne ich langjährige Ehen und Familien, deren soziale Ordnung und glückliche Ehen mittels solcher „sozialen“ Netzwerke auseinandergebrochen ist. Ein Familienvater, der eine Frau kennenlernt, die mehr gemeinsame Interessen aufzeigt als seine eigene Frau oder die vielleicht attraktiver wirkt, könnte der Idee verfallen, diese Person nicht nur im Internet, sondern im realen Leben näher kennenzulernen. Bei solchen Fällen sehe ich die Absurdität und die Gefahren eines solchen Dienstes, geschweige denn die Verletzung des Datenschutzes durch Vergabe sensibler Informationen an Dritte.

Die schnelle Entwicklung der Technologien in der Computerwelt finde ich gut und lebenserleichternd, sofern sie auch nur zu guten Zwecken genutzt werden. Dabei besteht zwar immer ein großes Risiko des Missbrauchs, aber es sollten zugleich auch Gegenmaßnahmen zur Prävention solcher Missbräuche entwickelt werden.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Menschen die Rechner kontrollieren sollen und dabei ihr Leben nicht abhängig machen sollen. Denn die Welt existiert nicht nur aus Google, Facebook und anderen Spielereien, sondern uns erwartet ein großes Spektrum an Möglichkeiten, unsere Natur zu erleben und unser Leben zu genießen.

Für ein freies Leben und ebenso eine sichere Privatsphäre schlage ich Information statt Vorratsdatenspeicherung, Bildung statt Online-Durchsuchung und Integration statt Spionage vor.

Aber ob dies geschehen wird? Ich habe da sehr große Bedenken…

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AUTOR: Bilal Erkin

Bilal Erkin studiert Islamwissenschaften und Informationsverarbeitung an der Universität zu Köln und ist Mitgründer der TUGRA. Außerdem betreibt er ein Blog auf blog.bilalerkin.de

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Lieber Bilal Erkin,   ich bin

Lieber Bilal Erkin,
 
ich bin erstaunt ob deiner Haltung gegenüber dem, was heute als so normal gilt, trotzdem aber auf eine so unvorhersehbare und schattenhafte Art unser Leben mitbestimmt. Ich teile deine Meinung dabei vollkommen. Man ist aber nicht nur ein gläserner User, sondern auch eine Marionette. Es wird einem gesagt, was man will, was gut ist, was wichtig ist, was getan werden muss, um hip zu sein. Ich studiere sowas schließlich und es wird mir mehr und mehr klar, dass ich da in etwas zu geraten wage, wobei ich nicht mitmachen will. Wenn ein Produkt angepriesen wird interessieren weder seine Eigenschaften, sein Gesellschaftsnutzen, die Art seiner Herstellung, etwaige (negative) Folgen oder überhaupt der Sinn dessen. Einzig interessant ist, ob es profitabel ist. Wird es gekauft? Wird Gewinn erzielt? Rechtfertigt der Gewinn den Aufwand? Und das Schlimmste: Bietet es eine mögliche Grundlage für mehr Produkte dieser Art? Wenn nicht jeder individuell auf sich Acht gibt, merkt man bald die Marionettenfäden nicht mehr, die einem mehr und mehr das Blut abschnüren. Die Welt und alles was wir sind gerät nach und nach auf Bahnen, die der Menschenverachtung bisher dagewesener Katastrophen schamlos ins Gesicht lacht. Wir befinden uns vor einem tiefen Abgrund, dessen Ausheber unsere Ignoranz und Dekadenz sind. Die Tatsache einen eigenen Willen zu haben wird mehr und mehr als Selbstverständlichkeit hingenommen. Wenn etwas nicht mehr ausreichend geachtet wird, wird es vergessen, verliert an Wert, hat nie existiert.
Darüber könnte man sich wirklich stundenlang unterhalten. Nur müssten auch Taten folgen. Im Moment sieht es allerdings so aus, als wolle die kleine Maus mit Daunsyndrom die riesige Optimus Prime Superman wannabe Gott Katze herausfordern. Ein ungleiches Duell.
Auch wenn dein Beitrag fast ein Jahr alt ist, ist er an Aktualität nicht zu überbieten. Ich dachte vorhin einfach "schaust doch mal rein in das, was der alte Bilala die ganze Zeit so treibt". Find's nicht so blöd.
Bis dann mal, Bilal.
 
Jay Faust
 
Ps.: Kleiner Semi-Exkurs: Ich finde es paradox beim Menschen heute noch von Evolution im Sinne von Weiterentwicklung zu reden. Lass mal einen Mann aus dem Mittelalter gegen einen von Heute kämpfen. Und wenn er noch so oft ins Fitnessstudio geht, er hätte keine Chance. Damit will ich in keinem Fall ausdrücken, dass der Mensch im Mittelalter weiter war, als der Mensch heute. Hexenverbrennung etc. Aber es zeigt auf, dass der Mensch körperlich immer schwächer und geistig, so meint man, immer stärker wird. Wenn der Geist aber soweit ist, dass man zur Vernichtung der Menschheit keine Atombomben mehr bräuchte, kann man doch nicht mehr von einer Weiterentwicklung reden, oder? Diese Gier nach mehr, dieses Verlangen alles zu wissen lässt unseren Gott gegebenen Verstand nach und nach verkümmern. Die Evolution ist eine Konjunkturkurve. Sie geht hoch, bis es mal wieder übertrieben wird. Und wir stehen meiner Meinung nach kurz vor einer erneuten Degression.

Das Internet ist ein

Das Internet ist ein Misthaufen somit kann ich Joseph Weizenbaum und dir zustimmen.
Es gibt tatsächlich so viel an unnötige Informationen, die von Neulingen die das Internet
als Informationsquelle verwenden möchten und selbstverständlich nicht wissen ob die
Informationnun dann wirklich von Nutzen ist oder nicht. Hinzu kommen die ganzen Illigalitäten
der Unternehmen die du erwähnt hast. So sieht das kapitalistische Gedankengut von meisten
Unternehemen aus. Hinter diesen ganzen Machtversuchen vermute ich, dass sich die
Grossmächte ihren Platz schon reservieren lassen. Weshalb hingegen auch der Grund sein
könnte warum man inzwischen keine Privatsphäre in der eigenen Aura des Internets hat. Die
Technik steigt an und parallel dazu steigt das Unwissen und die Faulheit an. Die Gehirnzellen
sterben nach einer Zeit aus und man wird vor dem Internet hypnosiert und gelähmt. Nur ein
wissender wüsste wann, wo und wie er die Quellen bzw Informationen richtig und gesund
verwenden kann. Es gibt zichtausend schädliche Negationen zur falschen Verwendung des
Internets. Somit ersehe ich der Illigalität vollstes Unvertrauen und Misserfolg.

stellvertretende Vorsitzende der TUGRA e.V.

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